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Paradisli - wie weiter?

Offener Brief an Gemeinderätin Frau Hayoz

Ungleiche Massstäbe
In den Medien wurde berichtet, dass das Paradisli den Schlüssel nicht abgibt und die „Besetzer“ weiterhin am Ausräumen sind. Das war korrekt. Wir möchten dazu aber festhalten, dass wir uns zwar auf eine mögliche Räumung einstellen und darum unsere Infrastruktur im Vorfeld in Sicherheit bringen wollen. Jedoch sehen wir den Sinn eines sofortigen Auszugs nach wie vor nicht ein und sind darum auch nicht gewillt, das Gebäude zu verlassen.
Weiter wurde in den Medien in keinem Wort erwähnt, wie ungleich in Bern gemessen wird:
Für einige Menschen gleicht das Verhalten der Stadt gegenüber dem Paradisli einem Mobbing.
Das kann jede und jeder für sich alleine beurteilen. Wir möchten hier nochmals die unhaltbaren Argumente der Stadt aufführen, die unserer Ansicht nach nun zur Genüge in den Medien zu lesen waren, und unsere Argumente darauf.
Frau Hayoz will grundsätzlich keinen Mietvertrag mehr mit dem Paradisli an der Laubeggstr. 36 abschliessen. Die Gründe Hayoz' sind klar: Die zahlreichen durch das Paradisli gestörten Nachbarn zeigen, dass ein Kulturbetrieb in einem Wohnquartier am falschen Ort ist.
Dem Paradisli erscheint diese Begründung fadenscheinig.
Erstens handelt es sich bei den „zahlreichen“ Anwohnern unseres Wissens genau um zwei. Dass sich die „lärmgeplagten Anwohner“ in den Medien nicht oder kaum zu Wort meldeten, zeugt davon. Gleichzeitig wissen wir von verschiedenen Anwohnern, die unseren Nachbarnabend besucht haben und sich durchs Paradisli überhaupt nicht gestört fühlen. Mehr noch: Sie empfinden die aktuellen und zukünftigen, geplanten Aktivitäten als Bereicherung fürs Quartier.
Zweitens wird z.B. die stark befahrene Laubeggstrasse als ein nicht abwendbares Übel akzeptiert. Diese produziert 24 Stunden pro Tag Lärm- und Schadstoffemissionen und belastet die Gesundheit der Anwohner viel mehr. Im Paradisli hingegen finden genau zwei Musikevents pro Woche statt. Diese werden strickt um 22 Uhr beendet. Warum diese Hetze? Jede Gartenbeiz produziert mehr Lärm als das Paradisli.
Frau Hayoz will mit den Vorbereitungsarbeiten beginnen, obwohl die Baubewilligung nicht rechtskräftig ist und es möglicherweise auch nie sein wird. Deshalb lässt sie das Paradisli notfalls polizeilich räumen und kostenintensiv bewachen. Herr Kohli, der auch im selben Bauernhaus wirkt und Pferde hält, darf hingegen bleiben. Offensichtlich betreffen ihn die Vorarbeiten nicht, sondern nur das Paradisli.
Verschiedene Massstäbe – und erneut zu Ungunsten des Paradislis – wurden auch bei der angeblich so dringenden Umsetzung von Vorarbeiten angewandt. Frau Hayoz spricht davon, die Boiler fürs Warmwasser und die „vom Verein Paradisli ausgeführten Veränderungen am Gebäude“ zu deinstallieren. In Tat und Wahrheit geht es aber darum, die Einrichtungen im Haus soweit zu zerstören, dass das Haus – auch bei einem negativen Bauentscheid – sicher nicht mehr bewohnt werden kann. Eine über Jahre leerstehende Bauruine in einem der besten Quartiere Berns wäre die Folge. Die ideale Ausgangslage für noch hirnrissigere Bauprojekte in der Zukunft!
Hierzu noch ein weiteres Argument: Während im Allmendstadion die Auflagen jahrelang nicht eingehalten wurden und 200mal mehr Leute ein und aus gingen, aber dennoch munter weiter Eishockey gespielt wurde, dürfen im Paradisli subito keine Veranstaltungen mehr gehalten werden. Zusätzlich wurden unsere vorgebrachten Lösungsvorschläge (provisorische Feuertreppe, Brandmelder etc.) nicht ernst genommen und abgelehnt.
Effektiv wurde nur der Dachstock von der Feuer- und Gewerbepolizei und der Gebäudeversicherung inspiziert. Die Verfügung nach dieser Besichtigung schloss aber alle Räume des von uns gemieteten Hausteils mit ein, auch die Schreinerei im Parterre. Diese verfügt über zwei ebenerdige Fluchtwege in zwei Richtungen, Wände und eine Decke aus Mörtel, Backstein und Beton und würde weitgehend den strengen Anforderungen entsprechen.
Es ist darum offensichtlich, dass es hier nicht nur um feuerpolizeiliche Angelegenheiten ging, sondern darum, eine angepasste Fortführung der Veranstaltungen komplett zu verunmöglichen.
Wie begründet man dieses Verbot für die Schreinerei von seitens der Regierungsstatthalterin Mader, Bauinspektors Roggo und der Gebäudeversicherung?

Offener Brief des Paradisli an Gemeinderätin Frau Hayoz [39 KB] (PDF)

09.04.2008 / www. paradisli.ch





Medienmitteilung Paradisli 22.04.2008

Definitiver Schlüsselübergabetermin am Freitag, 25. April 2008
Heute um 10 Uhr erhielt das Paradisli Besuch von Marc Heeb, dem Leiter der Gewerbepolizei sowie zwei seiner Gehilfen. Wir zeigten ihnen die Räumlichkeiten und die paar Sachen, die bisher noch nicht abtransportiert werden konnten. Die meisten von uns gehen einer geregelten Arbeit nach, zudem sind unsere Transportkapazitäten beschränkt. Trotzdem hoffen wir, die restlichen Sachen bis zur definitiven Schlüsselübergabe am Freitag, dem 25.04.2008 um 12 Uhr wegschaffen zu können. Was bis dann nicht gezügelt werden kann, geht an die Stadt über. Bei den Sachen, die sich noch im Paradisli befinden, handelt es sich z.B. um einen Boiler, einen Ofen und andere schwere und sperrige Gegenstände.

Der geplante Bau ist weiter ungewiss
Wir haben uns an alle Regeln gehalten und unser Ziel, einen Verbleib im altehrwürdigen Gemäuer, auf juristischem Weg angestrebt. Der Erfolg blieb aus. Frau Hayoz lässt uns räumen. Dies, obwohl nach wie vor keine Baubewilligung vorliegt und möglicherweise auch nie vorliegen wird. Frau Hayoz missachtet ganz klar den Willen des Stadtrates, der sich bereits vor Weihnachten klar mit 35 zu 20 Stimmen für einen Verbleib des Vereins Paradisli im Bauernhaus bis Baubeginn ausgesprochen hat. Wir sind enttäuscht über die voreilige, unnötige Räumung, die auch aus städtischer Sicht keine Vorteile bringt. Wir werden genau hinschauen, ob und wann an der Laubeggstr. 36 mit dem Bau begonnen werden kann. Zudem soll das Gebäude in der nächsten Zeit bewacht werden. Die dafür nötigen inanziellen Mittel könnten sinnvoller eingesetzt werden.

Das Paradisli macht weiter
Wir werden unser Kulturprogramm auf jeden Fall weiterführen. Die samstäglichen Konzerte werden an Ersatzstandorten durchgeführt. Aktuelle Informationen sind wie immer auf der Homepage zu erfahren:
Jeden Donnerstag am späteren Nachmittag werden wir zudem Möbel auf dem Kornhausplatz stellen und ein improvisiertes Wohnzimmer schaffen. Wir werden auf die Strasse gestellt, ohne eine Alternative zu haben – also wird man uns auf der Strasse treffen. Wir rufen die Aktivisten der Berner Wohn-, Kultur- und Politfreiräume auf, sich jeden Donnerstag beim Kornhaus zu uns zu gesellen, um gemeinsam über die unbefriedigende Situation in der Stadt Bern zu diskutieren und nach Lösungen zu suchen.

Wir suchen eine neue Bleibe
Das Paradisli bleibt. Wir wissen zwar noch nicht wo, da wir bisher keinen neuen Ort gefunden haben. Wir bleiben jedoch am Ball und suchen intensiv weiter. Tipps, Anregungen und Hilfe von externer Seite sind hochwillkommen. Das Projekt Paradisli darf jetzt nicht einfach verschwinden. Eine Räumung ist keine Lösung. Die Bedürfnisse nach Freiraum und alternativen Formen des Zusammenlebens sind vorhanden. Die Stadt als Vertreterin der Berner Bevölkerung hat sich auch um Minderheiten zu kümmern. Es sollte darum möglich sein, für solche Bedürfnisse irgendwo Platz zu schaffen.