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Verlogene Weltpolitik - Gaddafi wieder salonfähig

Gaddafi ist zurück. Offenbar geläutert präsentiert er sich als Wohltäter und Menschenfreund. Nach mehr als 20-jähriger Isolierung und Ächtung steht der Ex-Bösewicht Gaddafi kurz vor seiner internationalen Rehabilitation. Dabei darf man sich nicht blenden lassen: Die Wandlung des exzentrischen Diktators vom Saulus zum Paulus hat nichts mit humanitären Überzeugungen und Gesten zu tun. Vielmehr mit handfesten, persönlichen Interessen. Gaddafi folgt einer Überlebensstrategie. Nach den Ereignissen des 11. Septembers wollte Gaddafi dem Schicksal von Saddam Hussein und Osama Bin Laden entgehen.
Damit zeigt sich einmal mehr die Verlogenheit der internationalen Weltpolitik: Galt Gaddafi vor allem in den 80er-Jahren noch als Inbegriff des Terrors, so wurde gleichzeitig ein gewisser Saddam Hussein vom Westen gehätschelt und aufgerüstet. Der Verbündete von gestern ist der Schurke von heute - und umgekehrt. Dabei ist längst nicht klar, ob Gaddafi das Lager wirklich gewechselt hat. Trotzdem wird er salonfähig. Vergessen, dass er aktiv Terroristen förderte und ausbildete. Vergeben, dass er unzählige Menschen in Leid und Elend stürzte.
So wird deutlich, dass das Schurkenetikett weniger von moralischen Kriterien als von kalter Interessen- und Machtpolitik abgeleitet wird. Die USA brauchen in dieser Region dringend Verbündete. Gaddafi kann vielleicht einmal ganz nützlich sein. Und nicht zu vergessen: Lybien hat Öl.

Quelle: Langenthaler Tagblatt - 02.08.03 / Stefan Künzli

Nun hat auch die EU Gaddafi zum Edelmann erhoben, am 27. April 2004 wurde der Beduine feierlich vom EU-Präsidenten und den Abgeordenten empfangen.

28.04.2004 / hus